Karneval

 Karneval (Düsseldorfer)

 Der Düsseldorfer Karneval ist die Düsseldorfer Variante der als Karneval, Fastnacht oder Fasching bezeichneten „fünften Jahreszeit“. Der Düsseldorfer Karneval beginnt am 11. November eines jeden Jahres mit dem symbolischen Erwachen des Hoppeditz und endet am Aschermittwoch des Folgejahres mit dessen Beerdigung. Die Zeit des Karnevals wird als Session (dt. Aussprache) bezeichnet und markiert mit zahlreichen Sitzungen und Bällen einen Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens der Landeshauptstadt. Der Rosenmontagszug ist einer der größten in Deutschland. Seine alljährliche Fernsehübertragung machte ihn bundesweit bekannt.

Geschichte

Die Anfänge des Düsseldorfer Karnevals
Bereits in der Antike gab es Feste, bei denen Verkleidung, vermehrter Alkoholkonsum oder Umzüge eine Rolle spielten. Ob Ursprünge des rheinischen Karnevals möglicherweise auf die römischen Saturnalien zurückgehen, die auch im damals römischen Rheinland gefeiert wurden, ist nicht zu belegen, Allerdings finden sich dort zahlreiche Elemente, die auch den heutigen Karneval noch prägen, so die Aufhebung der Standesunterschiede, der erhöhte Alkoholkonsum, die Lockerung der Moral und Umzüge in den Straßen.
Die Ursprünge des Düsseldorfer Karnevals sind nicht überliefert. Erstmals wurde 1360 über karnevalistische Feiern im Düsseldorfer Schloss anlässlich der Fastnacht berichtet.[1] Dort traf sich der bergische und jülichsche Adel. Der Düsseldorfer Historiker Friedrich Lau geht davon aus, dass bereits im 15. Jahrhundert Karneval auch in bürgerlichen Kreisen gefeiert wurde.[2] Im 16. Jahrhundert waren die Karnevalsfeiern im Düsseldorfer Brauchtum dermaßen verankert, dass man den Kranken im Siechenhaus einen Zuschuss zum „vastelavent“ zukommen ließ.[3] Während am Düsseldorfer Hof, insbesondere zur Zeit des Kurfürsten Jan Wellem, Maskenbälle nach venezianischem Vorbild gefeiert wurden, waren die Feiern der Untertanen, insbesondere der unteren sozialen Schichten, eher lärmender Natur. Nach einer Beschreibung des Düsseldorfer Mundartdichters Hans Müller-Schlösser empfanden viele Düsseldorfer Bürger den Karneval zu Beginn des 19. Jahrhunderts als vulgär und laut.[4] In seiner damaligen Ausprägung war der Karneval auch der Obrigkeit suspekt. Aufgrund der noch von König Maximilian I. erlassenen Karnevalsordnung von 1806 mussten die Narren eine „Polizeikarte“ erwerben, um sich in der Öffentlichkeit verkleidet oder maskiert aufhalten zu dürfen. Unter der französischen Herrschaft wurde der Karneval weitgehend in geschlossene Räume verbannt. Im Jahre 1825, nunmehr unter preußischer Herrschaft, bildete sich in Anlehnung an das 1823 gegründete Festkomitee Kölner Karneval auch in Düsseldorf ein „Carnevals-Comité“, Vorläufer des heutigen Comitee Düsseldorfer Carneval. Getragen wurde das festordnende „Comité“ von angesehenen Bürgern der Stadt, darunter zahlreichen Künstlern, mit dem Ziel, dem Karneval eine geordnete Struktur zu geben und auch für die besseren Kreise attraktiv zu machen.
Der moderne Karneval in Düsseldorf
Zurückführen lässt es sich in Düsseldorf zumindest bis 1833: Nach einem Maskenspiel auf dem Burgplatz wurde abends, wie es heißt, die „Verlobung des Hanswursten unter Helau und Habuh mit Anna Dorothea Petronella Weichbusen“ gefeiert.

Ausprägungen und Höhepunkte des Karnevals

Der Beginn der Karnevalszeit fällt jedes Jahr auf den 11. November. Am Martinstag erwacht genau um 11:11 Uhr der Hoppeditz. Er steigt aus einem großen Senftopf vor dem Jan Wellem-Denkmal auf dem Marktplatz vor dem Rathaus und hält seine zugleich lustige und bissige „Eröffnungsrede“ zur neuen Session, deren Ironie vom jeweiligen Oberbürgermeister gekontert wird.
Im neuen Jahr veranstalten zahlreiche Karnevalsvereine Kostümbälle und sogenannte Sitzungen, auf denen Büttenreden, Tänze unter anderem von Tanzgarden und Karnevalslieder dargeboten werden. Der Auftritt des Düsseldorfer Prinzenpaares ist oft ein Höhepunkt solcher Sitzungen. Der Rosenmontag bildet den Höhepunkt des (vom Comitee Düsseldorfer Carneval und seinen angeschlossenen Vereinen) organisierten Karnevals. Dann rollen im Rosenmontagszug wieder über 60 Wagen an Hunderttausenden von feierenden Gästen vorbei und „versorgen“ sie mit vom Wagen geworfener „Balkes“ oder „Kamelle“ (Süßigkeiten und andere kleine Geschenke). Zahlreiche ehrenamtliche Helfer sind zuvor schon seit einigen Monaten mit dem Bau der Wagen, die meistens aktuelle Ereignisse karikieren, beschäftigt gewesen. Zahlreiche Kostüm- und Musikgruppen aus allen Teilen Deutschlands und benachbarter Länder ziehen im Rosenmontagszug mit und sorgen für Stimmung und Musik. 1990 musste der Rosenmontagszug witterungsbedingt verschoben werden. Er fand am 19. Mai 1990 statt.
Eine ebenso große Bedeutung hat in Düsseldorf der „unorganisierte“ Karneval. Weiberfastnacht und der Karnevalssonntag sind dort die Höhepunkte. Auf Weiberfastnacht stürmen die Frauen um 11:11 Uhr das Rathaus. Die berufstätigen Frauen feiern am Arbeitsplatz und begeben sich auf „Trophäen“-Jagd, die darin besteht, möglichst vielen männlichen Kollegen die Krawatte abzuschneiden. Am Karnevalssonntag treffen sich Hunderttausende aus Düsseldorf, dem Ruhrgebiet und dem Niederrhein auf der Königsallee und in der Altstadt, um gemeinsam Karneval zu feiern. Viele der Narren trifft man kostümiert und mit originell geschmückten Handwagen oder Fahrradaufbauten, die in erster Linie als Stauraum für Proviant (Bier, Spirituosen, feste Nahrung) dienen, an.
Am Karnevalssamstag fand seit 1995 unter großer Anteilnahme der Besucher ein Tuntenlauf auf der Kö in Zusammenarbeit des Comitee Düsseldorfer Carneval mit Heartbreakers, dem Förderverein der Düsseldorfer Aidshilfe, statt. Aufgrund des Erfolges der Veranstaltung mit entsprechendem Besucherandrang wuchsen die Auflagen für die Sicherheit so stark, dass die Veranstaltung nicht mehr finanzierbar war und 2010 eingestellt werden musste. Unter Regie der KG Regenbogen findet seit 2011 die Nachfolgeveranstaltung unter dem Motto Tunte lauf! in festen Veranstaltungsorten statt, zuletzt in einer Discothek in Kö-Nähe.
In Anlehnung an die Veedelszöch im Kölner Karneval haben sich am Sonntag auch in einigen Düsseldorfer Stadtteilen kleinere Umzüge, die Veedelszooch (beachte die andere Schreibweise und Aussprache, siehe auch Benrather Linie) genannt werden, gebildet. Die meisten Besucher zieht der seit 1976 stattfindende Gerresheimer Veedelszoch an. Eine weitaus längere Tradition hat dagegen das Tonnenrennen in Niederkassel, das erstmals 1887 stattfand. Weitere Veedelszooch finden in Angermund, Wittlaer, Lohausen, Eller, Mörsenbroich, Benrath, Reisholz und Itter statt. Die größeren Umzüge in Gerresheim, Niederkassel und Eller ziehen jeweils mehrere zehntausend Besucher an.
Eine besondere Situation findet sich im Unterbacher Karneval. Hier hat sich der schon vor der kommunalen Neugliederung 1975 bestehende vollkommen eigenständige Karneval mit Prinzenpaar und einem Umzug mit Einzugsbereich in die umliegenden Städte erhalten. Hier lag auch die Keimzelle der Düsseldorfer Mundartbands „Halve Hahn“ und „Alt Schuss“. Letztere hatte mit „Die Sterne funkele“ ihren größten Hit, der ursprünglich im Jahre 1997 das Sessionsmotto im Unterbacher Karneval darstellte.

 

Quelle (teilweise): Wikipedia

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